Tori- das Tor zu einer anderen Welt
   
     

Tori- das Tor zu einer anderen Welt,ff
ein Bericht von Martin Sülz

Wer hat nicht schon einmal in einem Dojo oder auf einem Bild das japanische Tor –Torii - gesehen?Aber was bedeutet dieses Tor, und vor allem was hat es mit Kampfsport zu tun?

.Auch im Logo der Jiu Jitsu Union finden wir dieses Symbol Japans wieder, zusammen mit dem roten Kreis, der die Sonne symbolisiert. Der rote Kreis erinnert uns an die Verbundenheit mit dem Mutterland des Jiu Jitsu, Japan, dass die rote Sonne in der Nationalflagge verewigt hat.

Aber das Torii, so die japanische Bezeichnung, taucht im Zusammenhang mit Kampfsport immer wieder auf, dabei ist es doch ein Schrein- oder Tempeltor. Ein Torii ist nämlich das Tor zu einem Shinto Schrein, einem buddhistischen Tempel oder einem heiligen Bezirk.

Es grenzt die normale Welt von der Welt der Götter ab, und zeigt auf, wann man heiligen Boden betritt. Eine ähnliche Funktion haben die Toriis, die übrigens meist in leuchtendem rot lackiert sind, am Eingang eines Dojos oder vor der Matte, also dem eigentlichen Trainingsraum. Sie symbolisieren auch hier den Übergang in eine andere Welt: nämlich den ins Dojo, mit seinen eigenen Regeln und dem Ziel dort dem Weg zu folgen und alles andere außerhalb zu lassen.

Aber warum wird dazu ein Torii verwendet, obwohl wir doch mit Kampfkunst keine Religion verbinden?

Dazu müssen wir zurückblicken ins feudale Japan, als im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert die meisten Jiu Jitsu Schulen neu entstanden. Viele berühmte Krieger, die eine Kampfkunst oder einen Schwertstil beherrschten zogen sich im Alter zurück. Das taten sie oftmals in Tempel oder Shinto Schreine, da sie dort, in aller Abgeschiedenheit, Ruhe hatten, sich mit mit dem zu befassen was ihnen im Alter wichtig erschien.

Die meisten Krieger die das taten befassten sich weiter hin mit ihrer Kampfkunst, und so kam es, dass viele Kampfkünste innerhalb eines Schreines weiter existierten.

Manch ein Stilbegründer behauptete auch erst im Tempel zu der wahren Erkenntnis seiner Kunst gelangt zu sein und das hatte zur Folge, dass Schüler zu ihnen in die heiligen Bezirke pilgerten.
Ein berühmtes Beispiel dafür ist Iisaza Choisai Ienao (1387-1488), Begründer des Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu, einer Kampfkunstschule die im Katori Schrein beheimatet ist und bis heute existiert.
Viele Kampfkünste oder Schwertkampfschulen hatten ihren Dojo also auf einem Schrein-, oder Tempelgelände und deshalb geht man durch ein Torii.

Unabhängig von der Religion wollen wir uns heute damit immer noch bewusst machen, dass es diese Grenze gibt, zwischen der normalen Welt und der Welt der Kampfkunst.

(Text und Fotos : Martin Sülz, Wuppertal)